Hamlet und Seine Geister (Ballhaus Ost, 19.12.2017)

Eine Besprechung von Stefan Bock – 20. Dezember 2017

⦗…⦘Die Beziehung des Dänenprinzen Hamlet zu seiner Geliebten Ophelia als sadomasochistischen Geschlechterkampf darzustellen, ist nicht so abwegig und sogar auf Stadttheaterbühnen nicht ganz unüblich. Die Frage ist nur, wer hier wen beherrscht. Im Shakespeare‘schen Normalfall ist Ophelia bedauernswerter Spielball der Männer und endet im Wahn als Wasserleiche, während Hamlet seinen eigenen Wahn todbringend ausleben darf und weiter Intrigen spinnt, bis er selbst einer Intrige zum Opfer fällt. Die Geschichte ist bekannt und viel gespielt: „Hamlet ist der Held, der sich in der eigenen Geschichte immer mehr verstrickt und schließlich, wenn er stürzt, die halbe Welt mitreißt – am Ende sind alle tot und es kommt Fortinbras.“ So verkürzt sieht diese Performance den Kampf Hamlets gegen die Mörder seines Vaters, der ihm als Geist erschienen aufträgt, seinen Tod zu rächen.

Im Wege sind ihm dabei nicht nur irgendwelche Geister, sondern vor allem sein eigener Geist, den zu befreien er nicht im Stande ist. Symptomatisch dafür steht sein berühmter Monolog „Sein oder Nichtsein“, in dem der Zweifler zwischen „Des wütenden Geschicks erdulden oder / Sich waffnend gegen eine See von Plagen“schwankt. Wenn aber nun die Pein selbst zur Lust wird, dann können irdische Verstrickungen, oder besser die des Körpers Hülle, auch zur willkommenen Fessel werden. Dasniya Sommer und Florian Loycke spielen dieses Arrangement ganz anschaulich in ihrer Performance durch, wobei auch die Geschlechter- und Abhängigkeitsrollen gewechselt werden. Es entspinnt sich so ein Spiel aus Tanz, Gesang und gegenseitiger Fesselung, wobei sich zu Beginn Florian Loycke in einer relativ ausgetüftelten Hängebondagepartie befindet, bei der er nackt wie ein Jesus zu Karfreitag in den Seilen hängt. Man könnte es auch passend zur Jahreszeit für eine besonders raffinierte Art des Schnürens eines passenden Weihnachtspakets halten.

Dass es hier aber auch um das Ausprobieren einer neuen Identität, um das Spiel mit Manipulation und verabredeten Ritualen geht, zeigt diese mit Masken, Schminke und Kostümen dem japanischen Kabuki oder Nō Theater nahe Performance zunächst recht eindrucksvoll. Das Einfangen des anderen ist immer auch die Fesselung des eigenen Geistes, dem sich der Gefesselte mit seinem Körper stellvertretend hingibt. Leider verzettelt sich dieser mit der Lust am Schmerz arbeitende Abend zusehends in Details. Loyke projiziert mit einem Overheadprojektor Zeichnungen mit Hängebondage-Fantasien, ähnlich denen des Dada-Künstlers und Surrealisten Hans Bellmer, bekannt für seine rätselhaften Fotos von Bondage-Puppen, an die Wand. Das jeweils gefesselte Bunny wird in allerlei Posen fotografiert, oder auch mal der in Südkorea erfundene Gangnam Style des Rappers Psy getanzt. ⦗…⦘

Die ganze Kritik hierballhausost.de

Performance: Super Collider with Showcase Beat Le Mots

Performing four shows with Showcase Beat Le Mots at Hau 2 last week. A fortunate encounter!
Initially Veit wanted all four guys to be suspended fruits from outer space. Eventually we were winched up to give Nikola, Darius and Thorsten a fruity dish detergent shower.

Photos by Prosto Atia and Sebastian Meissner
Video here

Performance: Super Collider

Showcase Beat Le Mot: Super Collider, HAU2 Berlin 2017
Showcase Beat Le Mot: Super Collider, HAU2 Berlin 2017

Currently rehearsing with SCBLM . Opening night this Sunday December 10th, 7pm at HAU2 Berlin. More shows on 11,12,13 December always at 7pm.

Finally sending ropes into space!!

Laserpointer schreiben “Game Over” in den Himmel. Die Performer von Showcase Beat Le Mot möchten für apokalyptische Resignation keinen Strom verschwenden, sondern den Diskursrahmen um das Weltall erweitern. Darum schicken sie in ihrer neuen Performance getanzte Botschaften und gemurmelte Formeln in die Randlagen des Universums. “Wahr, Schön und Gut waren gesucht, gefunden wurden Schräg, Eigen und Hilfreich”. Die Antennen für außerirdische Botschaften werden von Empfang auf Senden umgestellt. Dies ist kein Dokumentartheater über die Handlungsohnmacht einer angeschwollenen Wirklichkeit, sondern eine Versuchsanordnung, die wie eine Utopieschleuder funktioniert. Das Bühnenbild ist die Message, das Publikum der Röhrenverstärker. Space Acts statt Fake Facts. Immer am Ärger entlang. Willkommen bei der halben Wahrheit über Alles.